Die neomediale Freakshow

In den Anfangszeiten der Rummelplätze und Vergnügungsparks war es normal Behinderte Menschen in der Freakshow auszustellen. So konnten sich die „normalen“ Bürger „fette Frau“, den „Blauen Mann“ oder die „Frau mit zwei Köpfen“ angucken. Heut läuft das anders.

Der Bauer „ohne Würde“ wird vor die TV Kamera gezerrt. So können ihn alle sehen und auslachen. Und warum macht der Landwirt, wir nennen ihn an dieser Stelle mal Heinrich und geben ihm Schafe, da mit? Weil er verzweifelt, einsam und dumm ist. Und genau das Bild zeichnet ein Format wie „Bauer sucht Frau“ nun allen Landwirten an. Der Gesamteindruck wenn man sich den Rotz antut ist „Bauern sind verweichlichte Idioten die alle bei Mutti wohnen.“

Ich denke man sollte sich bewusst sein, was man da sieht. Das ist die „mediale Auslese“ denn wir fühlen uns furchtbar gut unterhalten von Peinlichkeiten. Die gleiche Auslese wird bei Sendungen wie „Frauentausch“ oder „XXX gesucht“ (XXX kann durch einiges ersetzt werden – Schwiegertochter, Schwiegersohn, Mama, Papa, Oma, Opa, Hund…) vollzogen. Den wen interessiert denn das Leben eines „normalen“ Deutschen? Es muss immer was dümmeres Sein. Dann fühlen wir uns besser. Weil es ja noch Leute gibt die dümmer sind.

Wenn jetzt aber ein Ausländer nach Deutschland kommt und hier den Fernseher anmacht… Wie stehen wir denn dann da? Das was der da sieht bringt der mit Deutschland in Verbindung.

Und die ausgedienten Freaks, die genug im TV zu sehen waren müssen dann Musik machen und durch die Diskos des Landes Touren um da von ihresgleichen bewundert zu werden. Wer bitte braucht ein Autogramm von Schäfer Heinrich? Was kann der Mann, das ich mich mit ihm beschäftigen muss. Er ist nur einer der ausgenommenen Freaks. Nur ein Opfer der Unterhaltungsindustrie.

Was reg ich mich auf. Es ist immer so und wird noch schlimmer. Gut, das diese Formate nicht von öffentlichen Geldern finanziert werden.

Eine Antwort auf „Die neomediale Freakshow“

  1. Ich bin mal wieder begeistert wie du meine Gedanken in Worte fassen kannst – schöner hätte ich es nicht sagen können!

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